Gleichstellungsinitiative

Im Jüdischen Museum in Basel wird derzeit die Erstausgabe von Gotthold Ephraim Lessings Drama „Nathan der Weise“ ausgestellt. Für uns alle gehörte dieses Werk zur Pflichtlektüre in der Schule; im Deutschunterricht wurden wir damit an die universellen Prinzipien der Aufklärung herangeführt: Humanität und Toleranz.

Wir alle erinnern uns an die „Ringparabel“: Der Sultan fragte Nathan den Weisen, welches denn die wahre Religion sei. Nathan antwortete mit einem Gleichnis: Es habe einst ein Ring existiert, der über Generationen als Erbstück in der Familie weitergegeben wurde. Als einem Nachfahren des Stammvaters drei Söhne geschenkt wurden, liess dieser vom Ring zwei Duplikate erstellen, die vom Original nicht zu unterscheiden waren. Jeder Sohn erhielt ein Exemplar.

Nachdem der Vater der drei Söhne verstorben war, zogen diese vor Gericht, um klären zu lassen, wer von ihnen im Besitz des echten Rings sei. Der Richter stellte fest, dass die Ringe äusserlich nicht voneinander zu unterscheiden seien, erkannte aber, dass dem echten Ring die Wunderkraft zukomme, beliebt zu machen: „vor Gott und Menschen angenehm“. Da sich nicht feststellen liess, wer den echten Ring besitze, gab er den Söhnen den Rat, sich darin zu messen, welchem von ihnen es am besten gelingen würde, die Wunderwirkung des Ringes zur Entfaltung zu bringen. Erst nach abertausenden Jahren solle dann wieder darüber zu Gericht gesessen werden, welcher Ringträger sich durch gute Taten besonders hervorgetan haben würde und sich damit zu Recht darauf berufen könne, den „echten Ring“ zu verwahren.

Die Gleichstellungsinitiative erhebt den Islam nicht zur einzig wahren Religion. Im Gegenteil: Unsere Initiative steht fest auf dem Fundament westlicher Werte. Sie fordert lediglich, dass dem Islam als einer der drei monotheistischen Weltreligionen zu denselben Wettbewerbsbedingungen (Level Playing Field) verholfen wird, damit auch er unter Beweis stellen kann, dass er für das Gute einsteht – so wie das Christen- und Judentum auch.